Umbenennung des Vorplatzes des Berliner Abgeordnetenhauses in „Margot-Friedländer-Platz“

06.05.2026 | Der Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses trägt ab morgen den Namen „Margot-Friedländer-Platz“. Mit dieser Entscheidung würdigen wir das außergewöhnliche Leben und Wirken von Margot Friedländer und setzen zugleich ein sichtbares Zeichen für Erinnerung, Verantwortung und gelebte Demokratie.

Der Ort des heutigen Berliner Abgeordnetenhauses ist von herausragender historischer Bedeutung. Einst Sitz des Preußischen Landtages wurden hier die Weichen für die parlamentarische Demokratie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gestellt. Zugleich steht der Ort für die langsame Erosion demokratischer Strukturen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde im Plenarsaal der berüchtigte Volksgerichtshof gegründet, ein politisches Terrorinstrument zur Ausschaltung von Regimegegnern und zur Durchsetzung der NS-Willkürherrschaft. Später wurde das Haus als Offizierscasino genutzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges diente das Gebäude zunächst als Sitz der ersten DDR-Regierung, später nutzte das Ministerium für Staatssicherheit das Gebäude als Abhörstandort.

Seit 1993 tagt hier wieder ein frei gewähltes Parlament – das Berliner Abgeordnetenhaus. Das Gebäude steht heute für die wiedergewonnene und gefestigte Demokratie.

Vor diesem Hintergrund erhält die Umbenennung des Vorplatzes eine besondere Bedeutung. Margot Friedländer überlebte als Jüdin die Verfolgung durch die Nationalsozialisten zunächst im Untergrund und wurde später in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Ihre Familie wurde ermordet. Nach ihrer Emigration in die Vereinigten Staaten kehrte sie erst Jahrzehnte später wieder zurück nach Berlin. Bis zu ihrem Tod im Mai des letzten Jahres engagierte sie sich unermüdlich als Zeitzeugin, insbesondere bei der Aufklärung junger Menschen über die Verbrechen des Holocausts. Ihr eindringlicher Appell „Seid Menschen“ wurde zu einer zentralen Botschaft ihres Wirkens.

Die Benennung des Vorplatzes nach Margot Friedländer steht für das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und für den Einsatz gegen Antisemitismus und Ausgrenzung. Der Margot-Friedländer-Platz wird zu einem Ort der Mahnung und der Erinnerung – und zu einem Symbol für die Verantwortung, Demokratie und Menschlichkeit aktiv zu schützen.

Dazu Raed Saleh, Fraktionsvorsitzender: „Es ist ein starkes Signal, dass das Berliner Parlament, ein Ort von zentraler Bedeutung für unsere Demokratie, von jetzt an untrennbar mit Margot Friedländer verbunden ist. Ihr Vermächtnis wird bleiben und gilt dem Einsatz für Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit, für Versöhnung und dem Kampf gegen den Faschismus überall auf der Welt. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen sind ihre Worte und ihr Vermächtnis gegen Antisemitismus, für Mitmenschlichkeit, Selbstbestimmung und die Würde aller Menschen für uns jeden Tag aufs Neue Mahnung und Auftrag zugleich.“
 
In eigener Sache: 
Ab dem 07.05.2026 ist die Fraktion unter folgender Anschrift erreichbar:
 
SPD-Fraktion
des Abgeordnetenhauses von Berlin
Margot-Friedländer-Platz
10117 Berlin