Entschließung S-Bahn
Die Berliner S-Bahn ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Öffentlichen Personennahverkehrs der
Hauptstadt. Sie steht für ein modernes Stadtverkehrssystem, das die Mobilität in Berlin sichert.
Seit einem Jahr ist kein dauerhaft zuverlässiger Betrieb bei der Berliner S-Bahn realisiert worden.
Seit Mai letzten Jahres ist der vorgesehene Fahrplan nur noch Makulatur. Weniger als die Hälfte
der benötigten Fahrzeuge ist einsatzfähig, das Eisenbahnbundesamt hat die Betriebsgenehmigung
für die S-Bahn nur für ein Jahr erteilt – das ist der Offenbarungseid der Deutschen Bahn AG.
Dieses Debakel ist nicht das Ergebnis höherer Gewalt oder einer Verschwörung der
Fahrzeughersteller, wie uns die Bahnvorstände seit Monaten glauben machen wollen. Die
Probleme der Berliner S-Bahn sind hausgemacht und in Programmen mit klangvollen Namen wie
OSB (Optimierung S-Bahn Berlin) niedergelegt. Die Berliner S-Bahn wurde finanziell wie eine
Zitrone ausgepresst, Achsen und Bremsen wurden auf Verschleiß gefahren. So etwas darf sich
nicht wiederholen. Die S-Bahn Berlin ist ein warnendes Beispiel – für eine überzogene
Privatisierungsabsicht.
Die SPD-Fraktion fordert deshalb von der Deutschen Bahn:
- ein klares Bekenntnisse zu den Ursachen und der Verantwortung der Bahn AG
- mehr Ersatzverkehre, die für das gesamte Jahr 2010 ein verlässliches Zusatzangebot zum
unzureichenden S-Bahn-Verkehr sicher stellen
- weitere Entschädigungen vor allem für Stammkunden und betroffene Gewerbetreibende,
ergänzt um Freifahrttage für alle Berlinerinnen und Berliner und Gäste der Stadt
- schnelle Kurskorrekturen, die dauerhaft einen stabilen und leistungsfähigen S-Bahn-Verkehr
sichern
- einen verbindlichen Investitionsplan, in dem dies abgesichert wird und der bis Ende Februar
2010 vorgelegt wird
- eine vernünftige Fahrgastinformation und mehr Servicepersonal auf den Bahnhöfen
- personelle Konsequenzen im Bereich der Deutschen Bahn AG
Die SPD-Fraktion fordert den Senat auf, auch weiterhin sicherstellen, dass bei der BVG alle
verfügbaren Fahrzeuge eingesetzt werden, um zusätzliche Verkehre für die S-Bahn-Kunden
anzubieten. Einbehaltene Gelder werden für zusätzliche Investitionen oder Verkehrsleistungen im
ÖPNV zugunsten der Fahrgäste eingesetzt, insbesondere für mehr Aufzüge in den
Schnellbahnstationen, Sanierungen im U-Bahn-Bereich und eine bessere Ausstattung der
Bahnhöfe.
Über die aktuelle Situation hinaus muss für die Zukunft Vorsorge getroffen werden, dass Berlin nie
wieder in die Situation kommt, in dieser Art und Weise einem profitorientierten Monopolisten
ausgeliefert zu sein. Die SPD-Fraktion will diese Fehler beheben und einen stärkeren Einfluss des
Landes Berlin bei der Sicherung der Daseinsvorsorge auch im ÖPNV der Hauptstadt sicherstellen.
Wir fordern die Bundesregierung auf, ihren Einfluss als Eigentümer der Deutschen Bahn geltend
zu machen, um dies zu unterstützen.
Das Land Berlin hat mehrere Optionen, einen stärkeren Einfluss auf die S-Bahn zu nehmen. Eine
Möglichkeit ist die Übernahme der S-Bahn Berlin GmbH in das Eigentum des Landes Berlin.
Eine weitere Möglichkeit ist die Direktvergabe des Betriebs eines Teils des S-Bahn-Netzes an eine
Tochtergesellschaft der BVG, mit der Möglichkeit, abhängig von der Verfügbarkeit weiterer
Fahrzeuge den Anteil am Netz schrittweise zu erhöhen.
Eine weitere Alternative ist es, spätestens mit Wirkung ab 2017 den Betrieb eines Teilnetzes durch
den Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) auszuschreiben.
Unabhängig davon ist zu prüfen, zu welchen Bedingungen bereits vor 2017 eine Veränderung in
den Besitzverhältnissen und der Verfügung über die Fahrzeuge erfolgen könnte. Einen Teil der S Bahn-
Fahrzeuge hat das Land Berlin zu Zeiten des BVG-Betriebs im Westteil beschafft. 100
Fahrzeuge der Baureihe 481 sind direkt vom Bund bezahlt worden, weitere mit EU-Mitteln.
Das Vorgehen von Senatorin Junge-Reyer hat die volle Unterstützung der SPD-Fraktion. Der von
ihr vorgeschlagene Entscheidungsweg lässt dem Land Berlin Handlungsspielräume in einer
schwierigen, vom Monopol der Bahn-AG geprägten Verhandlungssituation. Dazu wird dem Senat
freie Hand gegeben auch für Verhandlungen mit der DB AG über eine Veränderung des laufenden
Verkehrsvertrags bereits vor 2017, um die Qualität der Leistung zu sichern.
Die SPD-Fraktion will keinen Wettbewerb zu Lasten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher
werden wir bei allen Schritten darauf achten, dass auch die Interessen der Beschäftigten der SBahn
Berlin gewahrt werden. Wir wollen sichere und leistungsgerecht bezahlte Arbeitsplätze im
Berliner Nahverkehr. Die SPD-Fraktion setzt sich dafür ein, das Lohnniveau und die Arbeitsplätze
der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Varianten gesichert werden.
Über den aktuellen Fall S-Bahn hinaus fordert die SPD-Fraktion für den gesamten Bahn-Konzern
ein Umsteuern weg vom börsenorientierten Logistikkonzern hin zum bürgerorientierten
Mobilitätsdienstleister. Der Fall der Berliner S-Bahn ist nur die Spitze des Eisberges. Die massiven
Einsparungen im Bereich des Netzes und bei den Bahnhöfen bundesweit können in wenigen
Jahren überall in Deutschland zu ähnlichen Zuständen führen. Hier werden wir gemeinsam mit den
SPD-Fraktionen der anderen Bundesländer und der SPD-Fraktion im Bundestag die Position des
Senats unterstützen, auf Bundesebene für Veränderungen der Bahnreform einzutreten. Die
Unternehmenspolitik der Deutschen Bahn muss sich wieder stärker am Gemeinwohl als an der
Rendite orientieren.